Heilende Kraft der Musik

Exklusiv-Interview mit Starsopranistin Joyce DiDonato


Die Starsopranistin präsentiert ihr Programm „In War and Peace“, das Sie als Reaktion auf die Terroranschläge von Paris zusammengestellt hat. Warum sie an die heilende Kraft der Musik glaubt und sie Händels Frauen-Rollen so liebt, verrät Sie im Interview.

Im Dezember 2015 sind Sie im berüchtigten New Yorker Hochsicherheitsgefängnis „Sing Sing“ aufgetreten …?
Joyce DiDonato: Es war dunkel, schattenhaft und angsteinflößend. Ich habe zu mir gesagt, die Jungs auf der Bühne werden mich schützen, aber es war schon nervenaufreibend.

Wie haben die Gefangenen reagiert?
DiDonato: Sie haben es kapiert, die Emotionen und die Tränen verstanden. Dann sind sie aufgesprungen, sie wurden geradezu rasend und waren so verblüfft und glücklich, dass ich da war. „Du hast den Vogel abgeschossen“, meinten sie, „ich wusste nicht, dass eine Stimme so
was kann.“

Vermag Musik also mehr als wir denken?
DiDonato: Diejenigen, die meine Karriere verfolgt haben, wissen, dass ich sehr viel darüber rede, wie Musik heilen kann. In dieser Welt fühlen wir uns doch alle deprimiert von den Zeitläufen, und ich denke, damit bin ich nicht allein. Es gibt nur schlechte Nachrichten und noch mehr schlechte Nachrichten.

Ihr Programm „In War and Peace“ ist eine Reaktion auf die Terroranschläge in Paris im November 2015. Wie kam es zustande?
DiDonato: Ich saß an meinem Klavier, sah einen Stapel Arien durch und versuchte, ein Repertoire zu finden für mein neues CD-Album. Die Attentate in Paris waren gerade geschehen. Ich dachte, ich muss direkt darauf reagieren. Vor Jahren und Jahrzehnten haben diese Komponisten schon so viel über Krieg und Frieden gesagt. Ich wollte beide Seiten der Menschen zeigen, auch die dunkle, die „IS-Seite“, wenn man so will. Aber nur, weil ich auch das Licht darstellen wollte.

 

In Zusammenhang mit „In War and Peace“ haben Sie Ihrem Publikum auf ihrer Webseite eine Frage gestellt.
DiDonato: „Wo findest Du Ruhe, mitten im Chaos?“ Ich wollte Menschen aus allen Gesellschaftsschichten ansprechen. Und ich habe Antworten von ganz unterschiedlichen Personen bekommen. Von den Gefangenen, mit denen ich in „Sing Sing“ gearbeitet habe bis zu Ruth Bader Ginsburg, der Richterin des Obersten US-Gerichtshofs. Ich habe auch Menschen angesprochen, die man jeden Tag trifft: den britischen Sufi-Taxifahrer und den amerikanischen Lehrer, der in Istanbul arbeitet und Kontakt zu Revolutionären dort hat.

Mit „In War and Peace“ präsentieren Sie uns vor allem starke Frauen.
DiDonato: Einer der Gründe, warum ich die Welt der Barockmusik so liebe ist, weil uns ihre Komponisten Frauenfiguren gegeben haben, die mit unglaublichen Fehlern behaftet sind, die Macht besitzen, stark sind, tyrannisch und magisch. Von Alcina bis Agrippina zu Dido und
Kleopatra; da gibt es eine große Bandbreite. Ich muss es mir immer noch irgendwie zusammenreimen, wie Händel die Quintessenz einer Frau so vollständig erfassen konnte.

Sie kennen die Musiker von „Il Pomo d’Oro“ schon 13 Jahre. Wie ist die Zusammenarbeit?
DiDonato: Ah, „Il Pomo d’Oro“! Wir sind zusammengewachsen, nicht nur als Musiker und Künstler, auch als Freunde. Wir haben die Welt gemeinsam bereist, alle denkbaren Höhen und Tiefen auf der Bühne zusammen erlebt, mit der Musik von „Alcina“, „Ariodante“ und „Floridante“. Wir verbinden uns, um dieselbe Geschichte zu erzählen, dieselben Fragen zu beantworten und dieselbe Botschaft auszusenden: von Hoffnung und Frieden.
Interview: Markus Bruderreck

Am 27. Mai 2017 ist Joyce DiDonato in der Philharmonie Essen zu Gast.
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